Mitte des 19. Jahrhunderts war Polen ein besetztes und geteiltes Land. Nach der ersten polnischen Teilung im Jahr 1772 war Polen unter Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt worden. Preußen hatte die westlichen und einige nordpolnische Gebiete erhalten, Österreich die südlichen Gegenden (inklusive Krakau und Lemberg). Russland schließlich hatte die Gebiete östlich der Flüsse Dnjepr und Düna erhalten. Die stolzen Polen versuchten daraufhin, politische Reformbestrebungen durchzusetzen, 1792 hatten die Russen das Land wieder besetzt, woraufhin es im darauffolgenden Jahr zur 2. polnischen Teilung gekommen war. In den Jahren 1830/31 versuchte das polnische Volk unter Führung des Adels einen neuerlichen Aufstand, der jedoch scheiterte. 33 Jahre später folgte der nächste Versuch, die Besatzer zu vertreiben. Auch dieser Aufstand wurde niedergeschlagen und resultierte in der Verbannung zahlreicher Polen, die an den Aufständen aktiv oder planend mitgewirkt hatten.
Unter den Verbannten befand sich auch der Vater Joseph Conrad's, Apollo Korzeniowski (geb. am 21. Februar 1820 in Honoratka). Apollo Korzeniowski war ein sensibler, gelehrter Mann und ein glühender Patriot. Er hatte in St. Petersburg Orientalismus, Sprachen und Literatur studiert. Die Familie der Korzeniowski's stammte aus einem alten polnischen Adelsgeschlecht, das den 'roten' Falken zugerechnet wurde. Die 'Roten' sahen die Zukunft Polens nur durch einen offenen Aufstand gegen die Russen gerettet. Es ging ihnen nicht mehr um Verhandlungen, sondern um Kampf gegen die Besatzung. Am anderen Ende des Spektrums polnischer Patrioten standen die 'weißen' Tauben. Diese setzten alles daran, nur ja keine militärische Auseinandersetzung zu riskieren, da sie von der Überlegenheit des russischen Militärs überzeugt waren. Sie setzten vielmehr auf Verhandlungstaktik und auf eine Intensivierung der Beziehungen zu Westeuropa. Die Befreiung Polens war auch ihnen heilig wie den konkurrierenden 'Roten'.
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