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Biographie I; Seite 3
Eva Bobrowska
Apollo Korzeniowski und Eva Bobrowska heirateten schließlich am 10. Mai 1856. Einziges Kind des Paares war Józef Theodor Konrad Nalecz Korzeniowski, der am 3. Dezember 1857 in Berdyczew zur Welt kam und der sich später als Schriftsteller Joseph Conrad nannte. 1857: Das war auch das Jahr, in dem es die ersten öffentlichen Bibliotheken in England und Deutschland gab und das Jahr, in dem Flaubert seine ‚Madame Bovary' publizierte. Wenn man heute die Stadt Berdyczew in Polen sucht, so sucht man vergebens. Die Stadt gehört zur Ukraine, liegt etwa 150 km westlich von Kiew und heißt jetzt  'Berdychiv'. Ein Gedicht Apollo's zur Geburt seines Sohnes zeugt von der patriotischen Seele des Mannes, der seinem Sohn keine Heimat im dem Sinne anbieten konnte, was er wohl unter Heimat verstand:



'Baby son, tell yourself
You are without land, without love,
Without country, without people,
While Poland - your Mother is in her grave.'





Conrad beschrieb seinen Vater durchaus liebevoll,
aber auch kritisch. In seinem autobiographischen
Buch 'Über mich selbst' etwa sagt er:

'Mein Vater war ebensowenig revolutionär gesonnen wie die anderen Männer, die mit den Vorbereitungen der Bewegung von 1863 befasst waren, - revolutionär in dem Sinne, dass er eine gesellschaftliche oder politische Daseinsordnung zu untergraben trachtete. Er war ganz einfach ein Patriot, wenn man unter Patriot einen Menschen versteht, der an die geistige Natur eines nationalen Daseins glaubt und es  nicht ertragen kann, diesen Geist versklavt zu sehen', und in einem Brief heißt es:

(mein Vater hatte ...) ein träumerisches und exaltiertes Temperament, düster und mit scharfer Ironie begabt, dabei von einem starken religiösen Gefühl getragen, das nach dem Verlust seiner Frau in einen mit Verzweiflung gepaarten Mystizismus abglitt.

Es scheint also, als würde Konrad - zumindest später - seinen Vater auch als träumenden Menschen erkannt haben, der mit der Realität nicht immer umzugehen wusste. Sein späterer Vormund Tadeusz Bobrowski, der ältere Bruder seiner Mutter, scheint ihm mit seiner pragmatischen, disziplinierten Art durchaus mehr im Leben gefestigt erschienen sein. Dieser Widerspruch zwischen den Temperamenten blieb Conrad sein Leben lang erhalten. Er war sich bewusst, dass es erforderlich war und sein würde, 'mit beiden Beinen im Leben zu stehen', aber die Liebe zur Flucht in die Träumerei war das Blut seines Vaters, das er ebensowenig verleugnen konnte und wollte wie die liebende Fürsorge seiner Mutter.


Konrad Korzeniowski; 1862