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Biographie II; Seite 3
Laut Conrad's eigenen Worten hatte er sich  1878 - gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten - als Waffenschmuggler für Don Carlos, einem der Männer, die Anspruch auf den spanischen Thron erhoben, betätigt. Auch in seinem Werk 'Der goldene Pfeil' ('The Arrow of Gold') schildert er die Fahrten der 'Tremolino' von Frankreich an die Costa Brava zu den Carlisten, den Verrat, den Hinterhalt und das grausame Ende von Kamerad und Schiff, das vor der spanischen Küste versenkt werden musste. Conrad hatte sich zur Tarnung seiner wirklichen Aktivitäten sogar auf der Crew-Liste der 'Saint Antoine' auf einer weiteren Fahrt in die Karibik eingetragen.
Wesentlich weniger romantisch klingt die Schilderung Tadeusz Bobrowski's, der von Richard Fecht, einem deutschen Freund Conrad's, telegrafisch darüber informiert worden war, dass sein Schützling 'schwer verletzt' sei. In einem Gespräch Fecht's mit Tadeusz sagte dieser über Conrad:
‚I think your nephew experienced a ... deep feeling ... if you get my drift ... Liebe, eine große, wahre Liebe ... gnädiger Herr'
Tadeusz reiste unverzüglich nach Marseille, um dort zu entdecken, dass Conrad offenbar sein gesamtes Geld in einer Schmuggelaffäre aufs Spiel gesetzt und verloren hatte. Darüberhinaus schien er bei dubiosen Geldgebern auch noch Schulden aufgenommen zu haben (manche Berichte gehen allerdings davon aus, dass Fecht ihm Geld geborgt hatte). Die Versuche, beim Glücksspiel in Monte Carlo das verlorene Geld wieder zurückzuerhalten, waren ebenfalls gescheitert. Zurück in Marseille, ohne Geld und in banger Erwartung seines Gläubigers, dürfte er sich mit einer Pistole in die Brust geschossen haben. Die Kugel durchschlug seinen Körper offenbar glatt, ging knapp am Herzen vorbei, verletzte jedoch kein wichtiges Organ.
Eine andere Version berichtet von einem Duell mit dem Amerikaner John Blunt und einer Liebesaffäre Conrad's mit Paula de Somoggy, einer jungen Ungarin, die eigentlich Don Carlos versprochen war. Dieses Liebesabenteuer und das unverschämte Verhalten des Amerikaners soll schließlich zum Duell geführt haben. Es wird berichtet, Paula pflegte Conrad nach dem Duell aufopfernd, kehrte aber später nach Paris zurück.

Es ist heute nicht mehr feststellbar, welche Version nun eigentlich zutrifft. Alle Berichte seines Onkels sprechen zwar gegen diese 'romantische' Variante, man muss aber auch anführen, dass Tadeusz Bobrowksi mit viel zu nüchternen Augen die Welt und das Verhalten seines Neffen betrachtete. In dieser Welt hatten Auseinandersetzungen um schöne ungarische Mädchen vermutlich keinen Platz. Außerdem wurde Tadeusz erst hinterher informiert; er hatte seine Informationen quasi aus zweiter Hand.

In jedem Fall war die Situation für Conrad in Frankreich kritisch geworden. Obgleich sein Onkel auch hier wieder finanziell aushalf, konnte auch er beim französischen Fremdenamt keine Wunder erwirken. Neben dieser wahrscheinlichen Schuldengeschichte war nämlich auch der französische Staat jetzt hinter Conrad her. Man hatte festgestellt, dass er keine gültige Aufenthaltserlaubnis besaß, was gleichzeitig das Ende für eine weitere Tätigkeit auf französischen Schiffen bedeutete. Seine Zeit in Marseille neigte sich damit dem Ende zu. Die Frage war lediglich: Wohin nun ?

Zum Glück gab es da noch die britische Handelsmarine,

'... wo es nicht solche Formalitäten gibt wie in Frankreich'.


Paula de Somoggy