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Das nächste wichtige Ereignis in diesem Jahr war Conrad's Eheschließung mit der um sechzehn Jahre jüngeren Jessie George. So mancher Historiker zerbrach sich schon den Kopf über diese abrupt erscheinende Verehelichung Conrad's. Es scheint tatsächlich so, dass weder Braut noch Bräutigam zum Zeitpunkt der Verlobung sich über ein derart inniges Verhältnis, das eine Ehe hätte begründen können, im klaren waren. Conrad brachte seinen Heiratsantrag während eines Museumsbesuches vor, um sodann gleich und praktisch im selben Atemzug eine Anmerkung über das schlechte Wetter zu machen. Eine überaus romantische Nuance  eines Antrags. Eine mögliche Erklärung wäre etwa, dass er 38 Jahre alt war und es möglicherweise für passend und angebracht erachtete, sich zu verheiraten. Manche Leute wiesen auch darauf hin, Conrad habe niemanden sonst in England gekannt, oder er sei nach  der gerade beendeten Affäre mit Emilie einfach in Stimmung gewesen, seinem Leben einen Halt zu geben. Auch die unbestreitbar positiven Seiten von Jessie, was das Kochen und generell Hausarbeit betraf, könnten ein Aspekt gewesen sein. Wie dem auch sei: Es sollte sich herausstellen, man hatte die richtige Entscheidung getroffen. Obgleich sich Jessie - zumindest in den ersten Jahren - kaum oder gar nicht für seine literarischen Ambitionen interessierte und Conrad sie anfangs nie als ernsthaften Gesprächspartner  bemühte, sollte die Ehe nicht nur halten; die Beziehung der beiden unterschiedlichen Ehepartner wurde im Laufe der Zeit auch immer näher und inniger. Jessie verwöhnte und umsorgte ihren Mann, so gut es ging; und sie hielt den 'normalen, täglichen Kleinkram' von ihm fern. Auch nachdem sie sich bei einem Unfall im Jahr 1904 beide Kniegelenke schwer verletzt hatte - sie sollte sich zeitlebens davon nicht mehr richtig erholen - blieb sie treusorgende Frau und Mutter.
Jessie George
Am 24. März 1896 wurde geheiratet und das junge Paar reiste in die Flitterwochen. Sechs Monate Bretagne hatte man geplant. In seinem 1907 erschienenen Buch 'Der Geheimagent' jedenfalls beschrieb er das Eheleben (nicht seines, sondern das des Herrn Verloc) als etwas durchaus Groteskes:

'Herr Verloc liebte seine Frau, wie man eine Ehefrau lieben soll - das heißt also ehelich, mit der Rücksicht, die man seinem wertvollsten Besitz schuldet. Dieses zur Nacht hergerichtete Haupt, diese fülligen Schultern umgab etwas Weihevolles - etwas von der Heiligkeit des häuslichen Friedens ...'

Während dieser Zeit schrieb Conrad einige Geschichten, etwa 'Ein Vorposten des Fortschritts', 'Die Idioten' und 'Die Lagune'. Auch hier gab es wiederum Tage, an denen er viel schrieb, aber auch Zeiten, in denen er um jedes Wort ringen musste. Jede Schreibhemmung verursachte depressive Stimmungen, aber auch während seiner produktiven Phasen war er oft niedergeschlagen und er fürchtete sich davor, nur in Schüben, quasi in einem Art Rauschzustand, schreiben zu können. 'Nachher bin ich völlig schlapp und nicht sehr glücklich, in meinen Gefühlen allem Anschein nach erschöpft, aber insgeheim so gereizt, dass ich wild werden könnte ...', sagte er. Seine Schreib-'Anfälle' führten zu schweren physischen und psychischen Überlastungen, die sich meist nach der Fertigstellung eines Textes äußerten. Der schwerste Zusammenbruch in dieser Hinsicht sollte ihn 1910 ereilen. Es war klar, dass er die einmal auferlegte Bürde des 'Schreiben wollens' - verbunden mit der Gewissheit, aus rein finanziellen Gründen auch schreiben zu müssen - teuer zu bezahlen hatte.

Biographie III; Seite 2