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Conrad's Zugang zu seinen eigenen Werken und den Werken anderer von ihm geschätzten Schriftsteller war äußerst komplex.  So war er einerseits der Meinung, erst der Künstler erschaffe die 'wirkliche Wirklichkeit' dadurch, dass er dem Ereignis die Seele einhauche, indem er es literarisch aufarbeite; andererseits zweifelte er an allem. Auch an seinen eigenen, noch so wohl überlegten Formulierungen. In diesem Punkte mißtraute er beinahe jedem Wort, jeder noch so gründlich überlegten Aussage. Nicht nur seine Feststellung 'I have never learned to trust it. I can't trust it to this day. A dreadful doubt hangs over the whole achievement of literature' soll hier angeführt werden.
Ein Ausspruch der Impressionistin Berthé Morisot (1841 - 1895) passt vielleicht noch besser und mag hier Aufschluss über seine Zweifel, manchmal auch Verzweiflung, geben. Sie hatte gesagt:

‚Mein Ehrgeiz beschränkte sich darauf,
etwas von dem, was vorbeizieht, festzuhalten.
Etwas ! Sogar dieser Ehrgeiz ist noch maßlos.'

Diese Ambivalenz in Conrad's Einstellung blieb ein wesentlicher Faktor während seiner gesamten schriftstellerischen Laufbahn. Auch war er sich dieser Situation bewusst. In seinen Augen ging es darum, ein Werk zu vollenden, das - wie vorher schon erwähnt - nicht nur die Menschheit dazu bringt, zu sehen, sondern 'an dem man auch gemessen werden kann'. Conrad war Schöpfer und schärfster Kritiker zugleich. 'Jugend' und 'Geschichten der Unrast' sind Texte, die in dieser Zeit entstanden, während er das Manuskript der Geschichte 'Die Rettung' immer wieder zur Hand nahm - und immer wieder beiseite legte. Dieser Text sollte erst 1919 fertiggestellt sein. Seine ambivalenten Überlegungen - damit verbunden seine Zweifel - galten für ihn allerdings für alle seine Werke.


Biographie III; Seite 5
Conrad mit Jessie und John; ca. 1912
Die Familie Conrad mit Jane Anderson