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Am 26. Oktober 1898 zogen die Conrad's erneut um. Diesmal nach 'Pent Farm', einem Anwesen nahe Hythe / Kent. Die nächsten rund dreizehn Jahre sollten die produktivste und nachhaltigste  Phase Conrad's bringen. Beinahe alle großen Werke von ihm entstanden etwa zwischen 1898 und 1911, darunter 'Herz der Finsternis', 'Lord Jim', 'Nostromo' oder 'Mit den Augen des Westens'.

Aber es war nicht nur der Kampf mit der Feder, der Conrad bisweilen - an Häufigkeit aber zunehmend - verzweifeln ließ, sondern auch die Probleme finanzieller Natur. Für lange Jahre unterstützte ihn sein Agent James Pinker finanziell, und zwar in einem Ausmaß, das bemerkenswert war. Erst 1914 hatte die Popularität Conrad's ein Niveau erreicht, um nicht nur für sich und seine Familie ausgesorgt zu haben, sondern auch seine Schulden zurückzahlen zu können. Nicht wenige der mehr als 1000 Briefe, die Conrad an Pinker schrieb, hatten den Inhalt, diesen zu vertrösten oder zu beschwichtigen. 'Ich bin doch keiner von ihren Billig-Autoren', hatte er ihm einmal im Zorn geantwortet, als Pinker die Fertigstellung eines Textes eingefordert hatte.

Nachdem im Juli 1900 'Lord Jim' fertiggestellt war, fuhren die Conrad's in einen fünfwöchigen Urlaub nach Belgien. Über die Fertigstellung von 'Lord Jim' schreibt er in einem Brief an Galsworthy:

Conrad mit James Pinker
'Das Ende von Lord Jim ist geschafft, in einem stetigen Zug von 21 Stunden. Ich habe Frau und Kind aus dem Haus geschickt (nach London) und mich morgens um 9 Uhr hingesetzt, verzweifelt dazu entschlossen, die Sache abzuschließen. Dann und wann machte ich einen Gang ums Haus, aus der einen Tür hinaus und durch die andere herein. Zehn Minuten Mahlzeiten. Tiefe Stille. Zigarettenkippen wuchsen zu einem Hügel ähnlich dem Steinhaufen über einem toten Helden. Der Mond ging über der Scheune auf, schaute zum Fenster herein und stieg außer Sichtweite. Der Morgen dämmerte, wurde heller. Ich löschte die Lampe aus und machte weiter. Die Morgenbrise wehte die Manuskriptseiten überall im Zimmer umher. Die Sonne ging auf. Ich schrieb das letzte Wort und ging ins Esszimmer. Sechs Uhr. Ich teilte mir einen Knochen mit Escamillo (Anmerkung: der Hund der Conrad's), ich fühlte mich wohl, aber müde, nahm um sieben ein Bad und war um halb neun auf dem Weg  nach London'.

'Lord Jim' wurde von der Kritik euphorisch aufgenommen. Dennoch wurde der Roman, der zuerst in Fortsetzungen im 'Edinburgh Monthly Magazine' und am 15. Oktober 1900 als Buch erschienen war, in Buchform kaum  gekauft.

Biographie III; Seite 6
Erstausgabe von 'Lord Jim', 1900