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Conrad's nächste Zusammenarbeit betraf Ford Madox Ford (der eigentlich Hueffer hieß). Mit ihm gemeinsam verfasste er etliche Arbeiten in den Jahren nach 1900. Herr Hueffer dürfte, nach allgemeinen Angaben, ein überaus merkwürdiger Partner gewesen sein. Ford Madox wurde von allen Conrad-Freunden, am vehementesten aber von seiner Frau Jessie abgelehnt. Bedingt durch diese Zusammenarbeit gab es so manchen Ehekrach im Hause der Conrad's. Ernest Hemingway schrieb später über ihn:
'Ich hatte immer, wenn ich konnte, vermieden, Ford anzusehen, und in einem geschlossenen Raum hielt ich immer meinen Atem an, wenn ich in seiner Nähe war, aber wir waren an der frischen Luft, und die abgefallenen Blätter wirbelten auf dem Bürgersteig von meiner Seite des Tisches zu seiner hinüber, also sah ich ihn mir genauer an, bereute es und blickte hinüber auf den Boulevard. Das Licht hatte wieder gewechselt, und ich hatte den Wechsel verpasst. Ich trank einen Schluck Bier, um festzustellen, ob es durch sein Kommen schal geworden war, aber es schmeckte noch gut'.
(aus: Paris, Ein Fest fürs Leben; Copyright Rowohlt Verlag)
Bei manchen der Werke Conrad's aus dieser 'großen Periode' scheint die finanzielle Situation, in der er sich befand, eine Rolle gespielt zu haben. Zu seinen heute wohl bekanntesten Werken zählt zweifellos 'Heart of Darkness' (bekannt auch durch die sehr freie Verfilmung 'Apocalypse Now' von Francis Ford Coppola aus dem Jahr 1979), doch meinen einige Kritiker, das sprachlich grandiose Werk würde einen langen Anfang, aber einen kurzen Höhepunkt und ein ebensolches Ende besitzen. Schließlich sei nur 'eine etwas längere Kurzgeschichte' herausgekommen. Thomas E. Lawrence meinte einmal über die Literatur Conrad's 'He's absolutely the most haunting thing in prose that ever was ... I wish I knew how every paragraph he writes (... they are all paragraphs: he seldom writes a single sentence...) goes on sounding in waves, like the note of a tenor bell, after it stops ... it all ends in a kind of hunger'.
(Lawrence hatte Conrad 1920 im Haus des Schriftstellers Hugh Walpole kennengelernt. Er besuchte ihn am 18. Juli 1920 in Bishopsbourne).
Im Unterschied zu 'Heart of Darkness' scheint 'Nostromo' aber insgesamt und an manchen Stellen im Besonderen der bedingungslose Versuch einer gewaltigen Erzählung zu sein, inklusive der Erfindung eines komplexen Staates und der Darstellung desselben. Nichtsdestotrotz gehören beide Werke zu den herausragenden Schöpfungen Conrad's sowie zu den wichtigsten literarischen Werken des beginnenden 20. Jahrhunderts.
Conrad mit Sohn John vor 'Pent Farm'
Conrad verteidigte Hueffer halbherzig, er sei 'kein so schlechter Kerl'. In Wirklichkeit dürfte er ihn als Gesprächspartner, Ideenlieferant, Korrekturleser, Reinschreiber und dergleichen gebraucht haben - oder zumindest geglaubt haben, ihn zu brauchen. Selbst Henry James befürchtete, Ford Madox Ford könnte Conrad's Stil 'zerstören'. Fest steht aber, dass Ford Madox bei mehreren Werken (inklusive 'Nostromo') seine Finger im Spiel hatte, bis es 1909 zum endgültigen Bruch zwischen Conrad und Ford Madox kam.