Mehrere Tage hintereinander hatten Trümmer der geschlagenen Armee die Stadt durchzogen. Es war keine Truppe mehr, es waren zersprengte Horden. Die Männer trugen lange, schmutzige Bärte, zerfetzte Uniformen, und sie schleppten sich schlaff, ohne Fahne, ohne Ordnung. Alle wirkten gehetzt, bedrückt, zu keinem Gedanken, zu keinem Entschluss fähig, sie marschierten nur noch aus Gewohnheit und fielen vor Müdigkeit hin, sobald sie haltmachten. Man sah vor allem die Mobilisierten, friedfertige Leute, ruhige Rentner, gebeugt unter der Last des Gewehrs; kleine, hurtige Mobilgardisten, leicht abgeschreckt und rasch begeistert, bereit zum Angriff wie zur Flucht, und dann in ihrer Mitte ein paar Rothosen, Überreste einer in einer
großen Schlacht aufgeriebenen Division, Artilleristen in dunklen Uniformen, in einer Reihe mit Infanteristen verschiedener Truppenteile, und hin und wieder den leuchtenden Helm eines Dragoners, der Mühe hatte, mit seinem schweren Schritt dem leichteren Gang der Linientruppen zu folgen.
Guy de Maupassant; aus der Novelle 'Boule de Suif'; Copyright Manesse Verlag
Ich liebe das Meer im Dezember, wenn die Fremden fort sind; aber ich liebe es natürlich ohne Überschwang. Ich habe mich eben drei Tage in einem der Orte aufgehalten, die man Badeorte nennt. Das Dorf, vor kurzem noch so voll von Pariserinnen, so lärmend, so heiter, hat jetzt nur noch seine Fischer, die in Gruppen vorübergehen, mit schweren Schritten, in den hohen Stiefeln, den Hals mit einem Wolltuch umwickelt, in der einen Hand einen Liter Schnaps, in der andern die Schiffslaterne. Die Wolken kommen vom Norden und ziehen hastig über einen finstern Himmel; der Wind weht. Die großen braunen Netze sind auf dem Sand ausgebreitet, bedeckt mit allerlei Plunder, den die Welle ausgespien hat. Und der Strand wirkt kläglich, denn die zarten Schuhe der Frauen hinterlassen dort nicht mehr die tiefen Löcher der hohen Absätze. Das Meer, grau und kalt, von Schaum gesäumt, hebt sich und senkt sich über diese verlassene, grenzenlose düstere Küste.
Wenn der Abend anbricht, kommen alle Fischer zur selben Stunde. Lange gehen sie um die gewölbten Boote, die wie schwere, tote Fische auf dem Trockenen liegen; sie versorgen ihre Netze darin, ein Brot, ein Topf mit Butter, ein Glas, und dann schieben sie das Schiff auf seinem Kiel ins Wasser, und bald wiegt es sich, öffnet seine braunen Schwingen und verschwindet mit einem kleinen Licht an der Spitze des Mastes in der Nacht. Scharen von Frauen warten, bis der letzte Fischer fort ist, und dann kehren sie in das schlafende Dorf zurück, und ihre Stimmen stören die schwere Stille der öden Straßen auf.
Guy de Maupassant; aus der Novelle 'Strandgut'; Copyright Manesse Verlag