Joseph Conrad und Kollegen
Hemingway's Paris:
Das 'Hotel Jacob' wurde dem jungen Paar von Sherwood Anderson empfohlen, der hier bereits 1921 gewohnt hatte. Zu den Restaurants, die die Hemingway's zu Beginn ihrer Pariser Zeit besuchten, gehörte unter anderen das 'Pré aux Clerc' an der Ecke Rue Jacob und Rue Bonaparte.
Das 'Hotel Jacob' (heute 'Hotel d'Angleterre). Adresse: 44 Rue Jacob (6ème)
Später entdeckte Hemingway auch das 'Café des Amateurs' an der Rue Mouffetard. Weitere Plätze waren: Das 'Dôme Cafe' auf dem Boulevard Montparnasse 108 und die 'Rotonde' gegenüber. In der Rue Delambre (14. Bezirk) gab es das 'Café Falstaff', das ebenfalls bald zu seinen Stammcafes gehörte. Hier traf er F. Scott Fitzgerald zum ersten Mal. Zuvor gab es die 'Dingo Bar', zwei Häuser weiter in der Rue Delambre. Zu den bekanntesten Restaurants zählt wohl auch das 'La Closerie des Lilas' (Boulevard du Montparnasse Nr. 171). Große Teile seines Romans 'Fiesta' hat Hemingway auf der Terrasse dieses Restaurants geschrieben. Fitzgerald ersuchte Hemingway in diesem Restaurant auch, sein Manuskript 'Der große Gatsby' zu lesen und Hemingway war davon begeistert.
Erste Wohnung der Hemingway's in
74 Rue du Cardinal Lemoine (5ème)
Dann blieben noch zu erwähnen: das 'Café Flore' sowie das 'Café des Deux Magots' auf dem Boulevard Saint Germain. Ende 1921 hatte Ezra Pound ein Appartement in der Rue Notre-Dame-des-Champs (Nr. 70) gemietet. Hemingway besuchte ihn öfters und die beiden übten sich dort im Boxen. Im Sommer 1926 mietete sich Hemingway alleine im Appartement von Gerald Murphy ein (einem amerikanischen Maler, der mit seiner Frau Sara von 1921 - 29 in Europa lebte und arbeitete), um sein Manuskript 'Fiesta' zu korrigieren und in Reinschrift zu bringen. Häufig besuchte Hemingway auch die Buchhandlung 'Shakespeare and Company' und lieh sich Bücher, aber auch Geld von Sylvia Beach (siehe nächste Seite) aus.
Und schließlich noch etwas: Im Winter 1956 stieg Hemingway im Pariser Hotel Ritz (15, Place Vendôme) ab. Der Gepäckträger machte ihn darauf aufmerksam, dass im Keller des Hotels noch immer ein Koffer von ihm aufbewahrt wird. Es stellte sich heraus, dass dieser Koffer seit dem Jahre 1927 dort lagerte. Die darin enthaltenen Notizen ermöglichten Hemingway dann die Niederschrift von 'Paris - ein Fest fürs Leben'.
Hemingway in der Buchhandlung 'Shakespeare & Company; 1922
Kommentar
Hemingway war kein Marxist, er war nicht einmal ein Liberaler, er war konservativ - auf eine vorzeitliche Weise. Falls diese je die offizielle Denkart einer konservativen Partei oder Politik in der Welt gewesen sein sollte, so muss das Äonen her sein, denn sein Konservativismus war kein Rezept zur Erhaltung von Ruhe, Ordnung und privilegierenden Vermögen, sondern eine Moral von fast närrischer Überforderung und ohne Übertragbarkeit. Es war die Moral 'Lord Jims', Joseph Conrads überhaupt, und sie bestand eigentlich nur aus dem Satz, dass Noblesse und Wohlgeratenheit den Vornehmen und Wohlgeratenen zu nichts und gar nichts berechtigten als zur totalen Verantwortung für sich, was die totale Verantwortung für alle Welt selbstverständlich einschließe. Beide, Conrad wie Hemingway, praktizierten diese Moral in ihrem Dasein wie in ihrer Literatur - versuchsweise. Dass man der Überforderung nur versuchsweise gerecht werden kann, ist klar, aber er wurde gemacht, der Versuch, und dass er zu abenteuerlichen Lebensläufen und Romanen führen musste, hätte niemanden verwundern sollen.
Ernst Schnabel; E. Hemingway '49 Depeschen', Copyright Rowohlt Verlag GmbH, 1969
The world breaks everyone and afterwards many are strong in the broken places. But those that will not break it kills. It kills the very good and the very gentle and the very brave impartially. If you are none of these you can be sure it will kill you too, but there will be no special hurry.
Aus 'A Farewell to Arms', Copyright Charles Scribner's Sons