Joseph Conrad und Kollegen
Hemingway; Seite 3


Hemingway mit Sylvia Beach vor der Buchhandlung 'Shakespeare & Company'
Als ich meine Frau wiedersah, die neben den Gleisen stand, als der Zug an den aufgestapelten Baumstämmen vorbei in die Station einlief, wünschte ich, ich wäre gestorben, ehe ich eine andere als sie geliebt hätte. Sie lächelte mit der Sonne auf ihrem schönen, wundervoll geschnittenen Gesicht, das von Sonne und Schnee gebräunt war, und auf ihr rotgoldenes Haar, das den ganzen Winter hindurch schön und ungebändigt wuchs, schien die Sonne, und neben ihr stand Mr. Bumby, blond und stämmig und mit Winterbacken wie ein guter Vorarlbergbub. "Ach Tatie", sagte sie, als ich sie in meinen Armen hielt, "nun bist du wieder da, und du hast so eine schöne, erfolgreiche Reise gemacht. Ich hab dich lieb, und wir haben dich so vermisst." Ich liebte sie, und sie liebte niemanden sonst, und wir hatten eine schöne, zauberhafte Zeit, während wir allein waren. Ich kam mit meiner Arbeit gut voran, und wir machten große Touren, und ich dachte, wir seien wieder unverwundbar; und erst als wir im Spätfrühling aus den Bergen fort und zurück in Paris waren, begann das andere wieder. Das war das Ende meiner ersten Pariser Zeit. Paris sollte nie wieder dasselbe sein, obwohl es immer Paris war, und man veränderte sich, während es sich veränderte. Wir fuhren nie wieder nach Vorarlberg, und die reichen Leute auch nicht. Paris hat kein Ende, und die Erinnerung eines jeden Menschen, der dort gelebt hat, ist von der jedes anderen verschieden. Wir kehrten immer wieder dorthin zurück, ganz gleich, wer wir waren, oder wie es sich verändert hatte, oder unter welchen Schwierigkeiten oder mit welcher Mühelosigkeit man hingelangen konnte. Paris war es immer wert, und man bekam den Gegenwert für alles, was man hinbrachte. Aber so war das Paris unserer ersten Jahre, als wir sehr arm und sehr glücklich waren.

Ernest Hemingway 'Paris - ein Fest fürs Leben'; Copyright Rowohlt Verlag GmbH

Hemingway mit Hadley und Sohn John          
(genannt 'Bumby') in Schruns (Vorarlberg)



Hemingway hatte drei Kinder. John Hemingway (geboren am 10.10.1923; gestorben am 1.12.2000) stammte aus seiner Beziehung mit Hadley. Patrick (geboren am 28.6.1928) ist das Kind von Pauline Pfeiffer und Hemingway. Der letztgeborene Sohn Gregory (geb. am 12.11.1931; ebenfalls Kind von Pauline) starb am 1.10.2001 in einem Frauengefängnis in Miami. Gregory hatte sich einer Geschlechtsoperation unterzogen und den Namen 'Gloria' angenommen. Er war ins Gefängnis gekommen, weil er wegen 'Sittenwidrigkeit' festgenommen worden war.
Hemingway war vier Mal verheiratet. Er schloss seine erste Ehe am 3.9.1921 mit Hadley Richardson (*1891 +1979). Die Zeremonie fand in Horton Bay (Michigan) statt. Die Ehe mit der um 8 Jahre älteren Hadley wurde im Januar 1927 geschieden. Der Grund für diese Scheidung war die Journalistin Pauline Pfeiffer (*1895 +1951). Pauline war ursprünglich eine Freundin seiner ersten Frau. Hemingway und Pauline begannen eine Affäre, während er noch verheiratet war. Wie Hemingway (in seinem Buch 'Paris - ein Fest fürs Leben') auch zugibt: Während Hadley und ihr gemeinsamer Sohn in Vorarlberg auf ihn warteten, besuchte er Pauline in Paris. Er heiratete Pauline am 10. Mai 1927. Diese Ehe wurde am 4.11.1940 geschieden. Diesmal war der Grund die Korrespondentin und Schriftstellerin Martha Gellhorn (*1908 +1998), die er 1936 auf Key-West kennengelernt hatte. Martha blieb bis 1945 seine Frau. Vierte Ehefrau wurde die Journalistin Mary Welsh (*1908 +1986). Hemingway und Welsh hatten sich 1944 in London erstmals getroffen. Sie heirateten im März 1946 auf Kuba und blieben bis zu seinem Tod verheiratet. Es darf nicht verschwiegen werden, dass auch Mary viele Eskapaden und Affären von ihm zu ertragen hatte. Sie starb am 26.12.1986 in New York und wurde auf ihren Wunsch hin im Grab ihres Mannes beigesetzt.
(Siehe auch: Biographie Hemingway)

Die Schwester ging ins Zimmer und schloß die Tür. Ich saß draußen auf dem Gang. Alles in mir war weg. Ich dachte nicht. Ich konnte nicht denken. Ich wußte, daß sie sterben würde, und ich betete, daß sie nicht sterben würde. Laß sie nicht sterben. Oh, Gott, bitte, laß sie nicht sterben. Ich werde alles für dich tun, aber laß sie nicht sterben. Bitte, bitte, bitte, lieber Gott, laß sie nicht sterben. Lieber Gott, laß sie nicht sterben. Lieber Gott, laß sie nicht sterben. Bitte, bitte, bitte, lieber Gott, laß sie nicht sterben. Gott, bitte, mach, daß sie nicht stirbt. Ich werde alles tun, was du willst, aber laß sie nicht sterben. Du hast das Baby genommen, aber laß sie nicht sterben. Das war gut, aber laß sie nicht sterben. Bitte, bitte, lieber Gott, laß sie nicht sterben.

Aus 'In einem andern Land', Copyright Rowohlt Verlag GmbH

Hemingway mit Pauline Pfeiffer
Im Paris der 1920er-Jahre trafen sich viele Künstler und Intellektuelle im Salon von Gertrude Stein. Darunter waren Sherwood Anderson, Ezra Pound, John Dos Passos, F. Scott Fitzgerald und viele andere. Hemingway traf Gertrude Stein zum ersten Mal am 8. März 1922 und schrieb später einmal: 'Schreiben war leicht, bevor ich sie kennenlernte!'. Er brachte sogar das Manuskript ihres Buches 'The Making of Americans' in Reinschrift. In seinen späteren Jahren distanzierte er sich aber weitgehend von ihr.
Hemingway lernte auch Pablo Picasso im Salon von Gertrude Stein in der Rue de Fleurus 27 in Paris kennen. Da Hemingway ein großer Katzenliebhaber war, modellierte Picasso für ihn eine Keramik-Katze, die Hemingway mit einer Kiste Handgranaten bezahlte. Er nahm die Statue später nach Key-West mit. Seine Frau mochte diese Figur jedoch gar nicht, zerbrach sie und begrub sie im Garten. Erst Jahre später wurde die Figur wieder aufgefunden und restauriert. Die Figur wurde im November 2000 aus dem Hemingway-Museum auf Key-West gestohlen.
Gertrude Stein mit John 'Bumby' Hemingway