"Dennoch lässt sich darüber streiten, ob Conrad sowohl an Anerkennung als auch an Popularität gewonnen hätte, wenn er das, was er schreiben musste, ohne dieses unaufhörliche Streben nach vollendeter Erscheinungsform geschrieben hätte. Sie halten nur auf, wirken nur hindernd und ablenkend, sagen seine Kritiker im Hinblick auf die berühmten Stellen, die man ihrem Kontext entnimmt und, was mittlerweile Brauch geworden ist, mit anderen Schnittblumen englischer Prosa zusammenstellt. Er befasse sich immer nur mit sich selbst, sei steif und aufgeblasen, und der Klang seiner Stimme sei ihm lieber als die Stimme der Menschheit in ihrer Pein.

Die Kritik ist bekannt und genau so schwer zu widerlegen wie die Bemerkungen sehr schwerhöriger Menschen, wenn 'Figaro' gespielt wird. Sie sehen das Orchester, hören von Ferne ein gräßlich kratzendes Geräusch, ihre eigenen Bemerkungen werden unterbrochen, und ganz natürlich kommen sie zu dem Schluss, dass dem Sinn des Lebens zweckmäßiger gedient wäre, wenn jene fünfzig Geiger, statt Mozart zu kratzen, die Straße pflastern würden. Dass Schönheit lehrt, dass Schönheit eine Zuchtmeisterin ist, wie sollte man sie davon überzeugen, wenn die Lehre der Schönheit untrennbar mit dem Klang ihrer Stimme verbunden ist, und die hören sie nicht. Aber man lese Conrad - nicht nur gelegentlich in Geburtstagsbüchern, sondern alles von ihm -, und es muss einem jeder Sinn für die Bedeutung von Worten abgehen, wenn man in dieser fast strengen und schwermütigen Musik mit ihrer Zurückhaltung, ihrem Stolz, ihrer unermesslichen und unerbittlichen Lauterkeit nicht hört, dass es besser ist, gut zu sein als schlecht, dass Loyalität gut ist und Ehrenhaftigkeit und Mut, obgleich es Conrad scheinbar nur daran liegt, uns die Schönheit einer Nacht auf See vor Augen zu führen. Aber man tut schlecht daran, solche Bemerkungen herauszureißen aus ihrem Element. Getrocknet in unseren flachen Schälchen, ohne die Magie und das Mysterium der Sprache, verlieren sie ihre Macht zu begeistern und anzustacheln, sie verlieren die drastische Kraft, die Conrads Prosa bestimmt."

Virginia Woolf in einem Essay zum Tode Conrads; Copyright Quentin Bell and Angelica Garnett; übersetzt von Elizabeth Gilbert; Copyright S. Fischer Verlag GmbH



When a personal ideal of conduct is broken, as Stein sees that it has been, what is left then ? What does Jim's life amount to, after all ? And what is the truth of his proud, heroic death - is it martyrdom or merely suicide, an act of honour or merely despair ? What ist the meaning and value of man's behaviour, or of a man himself ? The fundamental subject of the novel is not the character of Jim, but the nature of man. On that matter it appears indecisive and perplexed, but at root pessimistic. To look at Jim is to look at man: he is 'one of us'. There are depths of horror in that thought'.  And  yet man, with all his flaws, remains extraordinary and astonishing. The nearest thing to a verdict in the novel appears to be Stein's: 'Man is amazing, but he is not a masterpiece ...'

Peter Hollindale; Copyright: MacMillan Education Ltd.























"Was ich vielleicht am meisten an ihm schätzte, war die ihm eigene Vornehmheit, kraftvoll, hochmütig, ein wenig verzweifelt, die gleiche Eigenschaft, die er 'Lord Jim' verlieh und die dieses Buch zu einem der schönsten macht, das ich kenne."

André Gide


Mr. Conrad has done well before, but ‚Lord Jim' gives us the delighted surprise that is never the attribute of second-rate work. It is a book to make the world wider and deeper, a piece of life not over vivid but full of colour, moral because morality is that the root of humanity, touched with romance and profoundly true. The book is long, and even remarkably long, for it is written almost without a pause and with a concentration of purpose, a grasp of material, a deep energy which make it a great performance. In the more intense passages Mr. Conrad has the pregnant brevity of a master of form. His great effects are the simple relevations of his own insight; we recall the indication of tragedy in Jim's unfinished letter, the few words of dialogue between Jim and the girl before he leaves her. There is a whole gallery of sketches and portraits, duly subordinated, hardly less than perfect of their kinds. Such are the skipper of the 'Patna' - a small masterpiece of grim humour; the trader Stein, the treacherous Cornelius, the Malay Steersmen who give evidence at the inquiry, the amazing Brierly. All of these have their uses; they are strictly relevant, and they form part of a whole greatly conceived and finely executed.

Aus einer Rezension von 'Lord Jim' (veröffentlicht nach der Erstausgabe des Romans in Buchform)


Joseph Conrad verdanke ich viel. Er war mein Lehrmeister. Er hat meinen Stil geprägt. Aber damit nicht genug: Joseph Conrad hat die Art meiner Wahrnehmung beeinflusst. Er hat mich sehen gelernt. Seit ich den ersten der bananengelben Conrad-Bände aus dem S. Fischer Verlag in die Hände bekommen hatte, sah ich die Welt mit anderen Augen - Conrad's Augen. Es war die Welt, 'wo die Männer und die See einander gegenseitig durchdringen, sozusagen - indem die See in das Leben der meisten Männer hineinspielt und jeder Mann ein wenig von der See weiß, vom Vergnügen, vom Reisen und vom Broterwerb her'.

Lothar-Günther Buchheim; Copyright S. Fischer Verlag GmbH



"I may not be capable - as you say - of appreciating or even understanding his genius, but you may remember one point I make -  which is to live in this world one talented partner is enough, the other must be more commonplace and ordinary. I have claimed that distinction for myself."

Jessie Conrad in einem Brief an Edward Garnett (nach Conrad's Tod)

Kommentare



Conrad-Büste in Kielce / Polen
(ca. 120 km nördlich von Krakau)