Der schwerfällige alte Mann, der seine große Stirn wie ein Ochse unterm Joch senkte, machte eine Anstrengung, sich zu erheben, und umklammerte die Feuersteinschloß-Pistolen auf seinen Knien. Ein gurgelnder, erstickter, unmenschlicher Laut drang aus seinem Mund, und seine beiden Diener stützten ihn von rückwärts. Die Leute bemerkten, daß der Ring, den er auf seinen Schoß fallen gelassen hatte, gegen den Fuß des Weißen rollte, und daß der arme Jim auf den Talisman hinabblickte, der ihm das Tor des Ruhms, der Liebe und des Erfolges innerhalb der gischtumkränzten Wälder geöffnet hatte - hinter der Küste, die unter der westlichen Sonne wie das Bollwerk der Nacht erscheint. Doramin, der sich nur mühsam auf den Beinen hielt, bildete mit seinen beiden Helfern eine schwankende, taumelnde Gruppe; seine kleinen Augen hatten den Ausdruck wütenden, wahnsinnigen Schmerzes, funkelten mit einem wilden Blitzen, das die Umstehenden wohl bemerkten; und dann, während Jim starr und mit entblößtem Kopf im Lichtschein der Fackeln stand, hob er, ihm gerade ins Gesicht blickend und sich mit dem linken Arm schwer auf den Nacken eines der gebückten Jünglinge stützend, bedächtig seinen rechten Arm und schoß dem Freund seines Sohnes durch die Brust.
Die Menge, die sich hinter Jim geteilt hatte, sobald Doramin die Hand hob, stürzte nach dem Schuß in wirrem Gedränge vor. Sie sagen, der Weiße habe den Gesichtern links und rechts einen stolzen, standhaften Blick zugeworfen. Dann fiel er mit seiner Hand über den Lippen nach vorn und war tot.
Und das ist das Ende. Er entschwindet im Zwielicht, unergründlich in seinem Herzen, vergessen, unverziehen und unerhört romantisch. Auch in den ausschweifendsten Tagen knabenhafter Visionen hat er die verlockende Gestalt solch außerordentlichen Erfolges nicht sehen können. Denn es mag wohl sein, daß er in dem kurzen Moment seines letzten stolzen und standhaften Blicks das Antlitz jener Gunst des Augenblickswahrnahm, die wie eine Braut des Ostens verschleiert an seine Seite getreten war. Doch wir sehen ihn, einen unbekannten Ruhmesheld, der sich beim Zeichen, beim Ruf seines begeisterten Selbstgefühls aus den Armen einer eifersüchtigen Liebe reißt. Er verläßt eine lebende Frau, um seine erbarmungslose Hochzeit mit einem schattenhaften Tugendideal zu feiern. Ist er zufrieden - ganz, jetzt ? frage ich mich. Wir sollten es wissen. Er ist einer von uns - und bin ich nicht einst aufgestanden, wie ein heraufbeschworener Geist, um mich für seine unverbrüchliche Treue zu verbürgen ? Hatte ich denn nach allem so unrecht ? Jetzt, da er nicht mehr ist, gibt es Tage, an denen mich die Wirklichkeit seines Seins mit einer riesenhaften, unwiderstehlichen Macht überfällt; und doch - bei meinem Ehrenwort - es gibt auch Augenblicke, in denen er mir entschwindet wie ein körperloses Gespenst, das unter den Leidenschaften dieser Erde umherirrt, bereit, sich treu dem Ruf aus seiner Schattenwelt zu stellen. Wer weiß ? Er ist dahin, unergründlich im Herzen, und das arme Mädchen führt ein lautloses, untätiges Dasein in Steins Haus. Stein ist in letzter Zeit sehr alt geworden. Er fühlt es selbst und sagt oft, er "rüste sich, das alles zu verlassen, rüste sich, das alles zu verlassen ...", während er traurig mit der Hand auf seine Schmetterlinge zeigt.
Joseph Conrad, Lord Jim
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