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Das außergewöhnliche Leben des Joseph Conrad
Eine Kurzbiographie Conrad's
(PDF; ca. 195 KB; 24 Seiten)
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Hemingway in Paris
Ein Blick auf die Jahre, die Ernest Hemingway in Paris verbrachte
(PDF; ca. 20.700 KB; 332 Seiten)
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Was Hemingway und Fitzgerald von Conrad lernten
Wie groß war der Einfluss Conrad's auf andere Autoren ?
(PDF; ca. 116 KB; 9 Seiten)
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Conrad's letzter Tag
Deutsche Übersetzung des Schlusskapitels aus dem
Buch 'The Last 12 Years of Joseph Conrad' von Richard Curle
(PDF; ca.107 KB; 10 Seiten)
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Lasst Conrad in Ruhe
Ein Artikel gegen Kritiker und Analysten
(PDF; ca 88 KB; 7 Seiten)
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Conrad, der Vater
Joseph Conrad und seine Söhne
(PDF; ca, 82 KB; 5 Seiten
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Where is Patusan ?
Finding the real location of the fictional place ? (English language)
(PDF; approx. 75 KB; 6 pages)
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The extraordinary Life of Joseph Conrad (English language)
A short Conrad-biography
(PDF; approx. 178 KB; 21 pages)
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Das beste Paris
Eine Zusammenstellung von Berichten, Geschichten und Essays über Paris
(PDF; ca. 72.000 KB; 156 Seiten)
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Da sah ich etwas, das mir stets unvergesslich bleiben wird

                                                                 Menuett

Sie kamen und gingen mit kindischer Ziererei, lächelten sich an, wiegten sich, verbeugten sich und hüpften wie zwei alte Puppen, die durch einen alten, ein wenig verrosteten Mechanismus bewegt werden, den einst ein sehr geschickter Meister nach dem Geschmack der Zeit angefertigt hatten. Und ich sah sie an und ganz sonderbare Gefühle schlichen mir ins Herz, eine unsägliche Traurigkeit. Es war mir, als hätte ich eine klägliche und zugleich komische Erscheinung, als wäre der altmodische Schatten des versunkenen Jahrhunderts wieder aufgestiegen. Ich hatte Lust zu lachen und musste doch beinahe weinen. Plötzlich hielten sie inne. Sie hatten ihren Tanz beendet. Ein paar Sekunden blieben sie einander gegenüber stehen und machten Gesten auf die wunderlichste Art und Weise. Dann fielen sie sich schluchzend um den Hals.
Drei Tage später reiste ich in die Provinz. Ich habe sie nicht wiedergesehen. Als ich zwei Jahre darauf wieder nach Paris kam, hatte man die Baumschule zerstört. Was werden sie wohl gemacht haben ohne den alten Garten mit seinen Labyrinthwegen, dem Duft der Vergangenheit und den reizenden Windungen der grünen, verschnittenen Wände ? Sind sie tot ? Irren sie durch die modernen Straßen wie lebenslänglich Verbannte? Tanzen sie als wunderliche Gespenster ein phantastisches Menuett zwischen den Zypressen eines Kirchhofes längs der Gräberreihen im Mondenschein ? Der Gedanke an sie quält mich, überkommt mich manchmal und lässt mich nicht los, bleibt in mir wie eine Wunde. Warum ? Ich weiß es nicht. Sie finden das lächerlich, nicht wahr ?

Guy de Maupassant


Die Schwester ging ins Zimmer und schloss die Tür. Ich saß draußen auf dem Gang. Alles in mir war weg. Ich dachte nicht. Ich konnte nicht denken. Ich wusste, dass sie sterben würde, und ich betete, dass sie nicht sterben würde. Lass sie nicht sterben. Oh, Gott, bitte, lass sie nicht sterben. Ich werde alles für dich tun, aber lass sie nicht sterben. Bitte, bitte, bitte, lieber Gott, lass sie nicht sterben. Lieber Gott, lass sie nicht sterben. Lieber Gott, lass sie nicht sterben. Bitte, bitte, bitte, lieber Gott, lass sie nicht sterben. Gott, bitte, mach, dass sie nicht stirbt. Ich werde alles tun, was du willst, aber lass sie nicht sterben. Du hast das Baby genommen, aber lass sie nicht sterben. Das war gut, aber lass sie nicht sterben. Bitte, bitte, lieber Gott, lass sie nicht sterben.

Ernest Hemingway, In einem andern Land, Copyright Rowohlt Verlag GmbH


'His wandering days were over. No more horizons as boundless as hope, no more twilights within the forests as solemn as temples, in the hot quest of the ever-undiscovered Country over the hill, across the stream, beyond the wave. The hour was striking ! No more ! No more !'

Joseph Conrad; Lord Jim


Ich habe - und zu dieser Gabe gratuliere ich mir selbst aus tiefster, dankbarster Seele -, ich habe einen entschiedenen Blick für Snobs. Wenn das Wahre schön ist, so ist es schön, sogar das Wesen der Snobs zu studieren, ihrer Geschichte nachzuspüren, so wie gewisse kleine Hunde in Hampshire Trüffeln aufstöbern; so ist es schön, Schächte in die Gesellschaft zu bohren, um auf reiche Adern von Snob-Erz zu stoßen. Das Snobtum gleicht dem Tode in dem Verse des Horaz, den Sie hoffentlich noch nie gehört haben und der also lautet: 'Er pocht gleicherweise an die Tür der Armen, wie er an den Palastpforten der Kaiser rüttelt.' Es wäre ein großer Irrtum, über Snobs oberflächlich urteilen und glauben zu wollen, man träfe sie nur unter kleinen Leuten an. Ein gewaltiger Prozentsatz von Snobs, davon lasse ich mich nicht abbringen, ist in jeder Gesellschaftsklasse dieser sterblichen Welt zu finden. Urteilen Sie nicht kurzerhand oder geringschätzig über Snobs, Sie beweisen damit nur, dass Sie selbst ein Snob sind. Auch ich bin schon dafür gehalten worden.

William Makepeace Thackeray; Das Buch der Snobs





Bei allem, was da wundervoll ist, es ist das Meer, glaube ich, das Meer als solches - oder ist es die Jugend allein ? Wer kann das sagen ? Doch ihr hier - euch allen gab das Leben etwas: Geld, Liebe - was immer man an Land erlangen kann - und, sagt, war das nicht die beste Zeit, damals, als wir jung auf See waren; jung waren und nichts besaßen, auf der See, die nichts gibt, außer harten Püffen - und manchmal einer Gelegenheit, die eigene Kraft zu fühlen - ist es nicht das allein, dem ihr nachtrauert?"
Und wir nickten alle: der Mann der Finanzen, der Mann der Rechnungsbücher, der Mann des Gesetzes, wir alle nickten über dem polierten Tisch, der wie eine Fläche braunen Wassers unsere gefurchten, gerunzelten Gesichter widerspiegelte; unsere Gesichter, die von Mühe, Trug, von Erfolg, von Liebe gezeichnet waren; unsere müden Augen, die noch immer, unentwegt, begierig nach etwas im Leben Ausschau hielten, das, noch während es erhofft wird, schon dahin ist - unbemerkt zerronnen, in einem Seufzer, in einem Nu - zusammen mit der Jugend, mit der Kraft, mit Illusion und Schwärmerei.

Joseph Conrad, Jugend



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Ein Mann stand neben ihm, und eine Hand legte sich weich auf sein Haupt. Sein Sohn war gut, daß er dies tat. Er erinnerte sich anderer alter Männer, deren Söhne nicht geblieben waren, als der Stamm fortzog. Aber sein Sohn war geblieben. Seine Gedanken verloren sich in der Vergangenheit, bis die Stimme des jungen Mannes ihn zurückrief. "Geht es dir gut?", fragte er. Und der alte Mann antwortete: "Es geht mir gut." "Es liegt Holz neben dir", fuhr der Jüngere fort, "und das Feuer brennt hell. Der Morgen ist trübe, und die Kälte hat nachgelassen. Es wird gleich schneien. Gerade jetzt fängt es an."Ja, es schneit schon." "Der Stamm hat Eile. Die Lasten sind schwer und ihre Leiber flach aus Mangel an Nahrung. Der Weg ist weit, und sie reisen schnell. Ich gehe jetzt. Ist es gut?" "Ja, es ist gut. Ich bin wie das letzte Blatt des Jahres, das noch lose am Stamme hängt. Der erste Windhauch, und ich falle. Meine Stimme ist wie die eines alten Weibes geworden. Meine Augen zeigen den Füßen nicht mehr den Weg, und meine Füße sind schwer, und ich bin müde. Es ist gut."
Er neigte ergeben das Haupt, bis der letzte Laut des knirschenden Schnees erstorben war und er wusste, daß er seinen Sohn nicht mehr zurückrufen konnte. Dann tastete seine Hand schnell nach dem Holze. Das war das einzige, das noch zwischen ihm und der Ewigkeit stand, die über ihn hereinbrach. Zu guter Letzt war sein Leben nach einer Handvoll Scheite zu messen. Eines nach dem andern würde schwinden, um das Feuer zu nähren, und Schritt für Schritt würde sich der Tod an ihn heranschleichen. Wenn das letzte Scheit seine Wärme abgegeben hatte, würde die Kälte ihre Kräfte sammeln. Zuerst würden die Füße nachgeben, dann die Hände, und langsam würde die Starre der Glieder den Leib ergreifen. Sein Haupt würde auf die Knie fallen, und er würde Ruhe haben. Das war ganz leicht. Alle Menschen mussten sterben.

Jack London; Das Gesetz des Lebens