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William Makepeace Thackeray
(geb. am 18.7.1811 in Calcutta)


Thackeray war der Sohn eines englischen Beamten der 'British East India Company' in Kalkutta. Seine Mutter Anne Becher war die zweite Tochter des Ehepaares John und Harriet Becher. Sein Vater starb, als William vier Jahr alt war. 1816 kam er auf ein Internat nach Southampton/England, während seine Mutter vorerst in Indien blieb. Auf der Seereise nach England machte das Schiff einen Zwischenstopp auf St. Helena, wo sich im 'Longwood House' gerade Napoleon langweilte und an seinen Memoiren schrieb. Thackeray's Mutter heiratete später den schottischen Kapitän Henry Carmichael-Smyth und kehrte mit ihm nach England zurück. Detail am Rande: Anne hatte den schneidigen Schiffsoffizier bereits 1808 im englischen Bath kennengelernt und sich in ihn verliebt. Von 1829 bis 1830 studierte William Thackeray in Cambridge, schloss das Studium aber nicht ab. In den folgenden Jahren machte er ausgedehnte Reisen durch Frankreich, Italien und Deutschland. Bei seinem Deutschland-Besuch soll er auch - möglicherweise ? - Johann Wolfgang von Goethe in Weimar getroffen haben. Zurück in England studierte er für weitere zwei Jahre Rechtswissenschaften, danach Kunst in Paris. 1832 erhielt er zwar sein Erbe, gab es aber offenbar für Glücksspiel und für die Gründung zweier wenig erfolgreicher Zeitungen aus.
Im August 1836 schloss er die Ehe mit Isabella Gethin Shawe in der britischen Botschaft in Paris, die er ebendort kennengelernt hatte. Isabella war die Tochter von Oberst Matthew Shawe und dessen Frau Isabella Creagh Shawe. Das Paar hatte drei Kinder. Die zweitgeborene Tochter Jane starb im Alter von wenigen Monaten. Ab 1837 arbeitete er als Journalist und war überwiegend für das 'Fraser's Magazine' und 'Punch', aber auch für den 'Morning Chronicle' tätig. Im Jahr 1840 wurden die bereits vorher vorhandenen Depressionen seiner Frau nach der Geburt der dritten Tochter gravierend. William Thackeray verbrachte zuerst einige Zeit unterwegs, kümmerte sich ab Herbst dieses Jahres aber wieder mehr um seine Frau. Auf einer Schiffsreise nach Irland versuchte sie, sich das Leben zu nehmen, bis sie später in eine Nervenheilanstalt nahe Paris eingewiesen wurde. 1843 zog er in die Londoner Jermyn Street (zwischen St. James Park und Piccadilly). 1844 war Thackeray wieder auf Reisen, diesmal im Nahen Osten und in den Mittelmeerstaaten; später reiste er in die USA und hielt Vorlesungen.
Erste Erfolge erzielte er mit Reiseberichten, etwa dem 'Paris Sketch Book'. 1847 erschien sein wohl bekanntestes Buch 'Vanity Fair', das ihn endgültig zu einem bekannten und gut verdienenden Autoren machte. Sein Mut, Mitte des 19. Jahrhunderts Werke wie 'Vanity Fair' oder 'Das Buch der Snobs' zu verfassen, darf nicht unerwähnt bleiben. Auch das Wort 'Snob', zwar bereits bekannt und benutzt, wurde durch ihn erst richtig populär. 1853 bis 1854 reiste er nach Rom und erkrankte dort schwer. 1861 wurde er Herausgeber der Zeitschrift 'Cornhill Magazine'. Seine Gesundheit war während der späteren 1850er Jahre bereits stark angeschlagen. Er litt an einer schmerzhaften Erkrankung im Genitalbereich, hielt sich aber kaum an ärztliche Vorschriften und Empfehlungen. Er starb völlig unerwartet am 23. Dezember 1863 im Alter von nur 52 Jahren in seinem Haus in London (2 Palace Green, Kensington) an einem Gehirnschlag.
Einige Werke:

Memoiren des Mr. C.J. Yellowplush
(Original: The Yellowplush Correspondence); 1837/38
Die Memoiren des Junkers Barry Lydon; 1844
Jahrmarkt der Eitelkeiten (Original: Vanity Fair); 1847
(verfilmt 2004 mit Reese Witherspoon und Bob Hoskins; Regie: Mira Nair)
Das Buch der Snobs; 1848
   (Original: 'The Book of Snobs')
   Erstveröffentlichung unter dem Titel 'The Snobs of England;
   By One of Themselves' in der satirischen Zeitschrift 'Punch' 1846 - 1847
Geschichte von Pendennis; 1849
Rebecca und Rowena; 1850
Die Newcomes; 1855
Die Virginier; 1857




Über den Einfluss des Adels auf die Snobs ...

Es ist unser Wunsch, dass in unserem glücklichen Vaterland eine Sonderklasse leben soll, welche die erste Stelle einnimmt und vor allen anderen berufen ist, alle Regierungsämter und Patronate zu besetzen. Wir können nicht alle euren teuren Kinder zu Pairs machen, das würde der Pairswürde Abbruch tun, das Haus der Lords überfüllen und ungemütlich machen, aber die jüngeren Mitglieder eurer Familien sollen alles erhalten, was die Regierung ihnen sonst zu geben vermag. Sie sollen sich die Posten aussuchen dürfen, sie sollen mit neunzehn Jahren Kapitäne und Oberstleutnants werden, während altersgraue Leutnants dreißig Jahre hindurch exerzieren lassen müssen. Sie sollen mit 21 Jahren das Kommando über ein Schiff und über altgediente Soldaten haben, die schon im Felde standen, ehe sie geboren wurden. Und da wir ein so hervorragend freies Volk sind und alle Leute in ihrem Streben ermutigen, so sagen wir jedem Mann von nur einigem Rang: 'Bereichere dich, so sehr du kannst, nimm als Rechtsanwalt die kollosalsten Gebühren, halte große Reden, zeichne dich aus oder gewinne Schlachten und du - auch du wirst in die auserwählte Klasse kommen, und dann werden natürlich auch deine Nachkommen über die unsrigen herrschen'.

Über Gesellschaften gebende Snobs ...

Wie, zum Teufel, kommt Mrs. Botibol dazu, mir eine Kusshand zuzuwerfen ? Ich möchte sie um alles in der Welt nicht küssen. Warum grinse ich, als ob ich entzückt wäre, sie zu sehen ? Bin ich es wirklich ? Ich frage einen Quark nach Mrs. Botibol; ich weiß, wie sie über mich denkt; ich weiß, wie sie über meinen letzten Band Gedichte geurteilt hat (ich weiß es von einem gemeinsamen Freund). Warum, mit einem Wort, plinken und telegraphieren wir uns in dieser blödsinnigen Weise zu ? Weil wir beide die Formen beachten, die von der großen Snob-Gesellschaft verlangt werden, deren Vorschriften wir alle befolgen.


Aus dem 'Buch der Snobs'; Verlag Ullstein Gmbh; Übersetzung: Heinrich Conrad
Thackeray in einem Essay über Jonathan Swift
(aus: 'The English Humourists of the 18th Century'):

'In treating of the English humourists of the past age, it is of the men and of their lives, rather than of their books, that I ask permission to speak to you; and in doing so, you are aware that I cannot hope to entertain you with a merely humorous or facetious story. Harlequin without his mask is known to present a very sober countenance, and was himself, the story goes, the melancholy patient whom the Doctor advised to go and see Harlequin - a man full of cares and perplexities like the rest of us, whose Self must always be serious to him, under whatever mask or disguise or uniform he presents it to the public. And as all of you here must needs be grave when you think of your own past and present, you will not look to find, in the histories of those whose lives and feelings I am going to try and describe to you, a story that is otherwise than serious, and often very sad. If Humour only meant laughter, you would scarcely feel more interest about humorous writers than about the private life of poor Harlequin just mentioned, who possesses in common with these the power of making you laugh. But the men regarding whose lives and stories your kind presence here shows that you have curiosity and sympathy, appeal to a great number of our other faculties, besides our mere sense of ridicule. The humorous writer professes to awaken and direct your love, your pity, your kindness - your scorn for untruth, pretension, imposture - your tenderness for the weak, the poor, the oppressed, the unhappy. To the best of his means and ability he comments on all the ordinary actions and passions of life almost. He takes upon himself to be himself to be the week-day preacher, so to speak. Accordingly, as he finds, and speaks, and feels the truth best we regard him, esteem him - sometimes love him. And, as his business is to mark other people`s lives and peculiarities, we moralize upon his life when he is gone - and yesterday`s preacher becomes the text for today`s sermon'.

Quelle: www.underthesun.cc


William M. Thackeray 'De Juventute'; Ohio State University Libraries
Ich habe die Hofberichte gründlich satt; die im vornehmen Jargon abgefassten Nachrichten verursachen mir Übelkeit. Worte wie Fashionable, Exklusive, Aristokratisch und ähnliches halte ich für gottlose, unchristliche Beiworte, die aus anständigen Wörterbüchern verbannt werden sollten. Eine Hofrangordnung, die geniale Männer an einen Nebentisch setzt, halte ich für eine snobhafte Rangordnung. Eine Gesellschaft, die gesittet sein will und Künste und Wissenschaften verachtet, halte ich für eine snobhafte Gesellschaft. Du, der du deinen Nächsten verachtest, bist ein Snob; du, der du deine eigenen Freunde verleugnest, nur aus dem Grunde, um Höhergestellten nachzulaufen, bist ein Snob. Du, der du dich deiner Dürftigkeit schämst und über deinen Beruf errötest, bist ein Snob; und ebenso du, der du dich deiner Herkunft rühmst oder auf deinen Reichtum stolz bist.
Mr. Punch's Beruf ist es, Leute dieses Schlages auszulachen. Möge sein Lachen maßvoll sein, möge er nie einen Schlag aus dem Hinterhalt führen und möge er stets, wenn er seine Miene zu einem spöttischen Grinsen verzieht, die Wahrheit sagen - möge er aber auch nie vergessen, dass Spott zwar gut, die Wahrheit aber besser und Liebe das allerbeste ist.

Aus dem 'Buch der Snobs'; Verlag Ullstein Gmbh; Übersetzung: Heinrich Conrad

Textende im Original: rechts oben

'To laugh at such is Mr. Punch’s business. May he laugh honestly,
hit no foul blow, and tell the truth when at his very broadest grin -
never forgetting that if Fun is good, Truth is still better, 
and Love best of all.'

William Thackeray
He was a cynic; you might read it writ
In that broad brow, crowned with its silver hair;
In those blue eyes, with childlike candour lit,
In the sweet smile his lips were wont to wear.

A cynic? Yes—if 'tis the cynic's part
To track the serpent's trail, with saddened eye,
To mark how good and ill divide the heart,
How lives in chequered shade and sunshine lie.


Aus dem Nachruf an William Thackeray in der Zeitschrift 'Punch'
Thackeray Biographie in englischer Sprache

Thackery auf Projekt Gutenberg:

http://www.gutenberg.org/ebooks/author/313

Werke von Thackeray bei E-Books Adelaide:

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