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Mark Twain
(eigentlich: Samuel Langhorne Clemens)
(30.11.1835 Florida/Missouri - 21.4.1910 Redding/Connecticut)

ist vor allem als Autor der Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn bekannt. Er gilt als Vertreter des Realismus und wurde vor allem wegen seiner scharfzüngigen Kritik am Rassismus, an der amerikanischen Gesellschaft allgemein, bekannt.
Als Mark Twain 13 Jahre alt war, starb sein Vater. Twain begann eine Lehre als Schriftsetzer. Bald danach veröffentlichte er erste Kurzgeschichten. Er machte viele Reisen quer durch die USA. Ab 1855 lebte Mark Twain in St.Louis und wurde Lotse auf einem Mississippi-Dampfer. 1863 begann er seine eigentliche Schriftsteller-Karriere (nun bereits unter dem Pseudonym 'Mark Twain'). Er arbeitete als Reisekorrespondent in Europa und im Nahen Osten. Dabei reiste er auf dem Schiff 'Quaker City' durch das Mittelmeer. 1870 heiratete er Olivia Langdon. Das Paar lebte bis 1871 in Buffalo / New York  und ließ sich 1871 in Hartford/Connecticut nieder, wo Twain für die nächsten 17 Jahre als bereits bekannter und gut verdienender Autor arbeitete. 1891 reiste er wieder nach Europa und blieb für neun Jahre dort. Er lebte unter anderem in Berlin. 1894 schlitterte er in den finanziellen Bankrott, nachdem er sich zwischen 1880 und 1894 an der Produktion einer fehlerhaften Setzmaschine beteiligt hatte. Von 1897 bis 1898 lebte und arbeitete er in Wien. Obgleich eigentlich Republikaner galt er als großer Bewunderer von Kaiser Franz Josef. 1898 besuchte er auch die Sommerresidenz des Kaisers in Bad Ischl, wo er im Hotel 'Elisabeth' abstieg. Nach dem Tode der österreichischen Kaiserin Elisabeth schrieb er einen überaus warmherzigen Artikel über die Kaiserin.  Unabhängig von seinen heute bekannten Werken erzielte er zuerst großen finanziellen Erfolg mit der Biographie des Bürgerkrieg-Generals Ulysses S. Grant, verlor viel von dem Geld aber wieder durch den Konkurs seines eigenen Verlages Charles L. Webster Company im Jahr 1894.
Mark Twain wurde nicht von Schicksalsschlägen verschont: Das Paar hatte vier Kinder. Sohn Langdon starb 1872 im Alter von 19 Monaten, Tochter Susy starb 1896 und Tochter Jean starb im Jahr 1909. Auch seine Frau Olivia (1845 - 1904) überlebte ihn nicht. Nur Tochter Clara (1874 - 1962) überlebte ihn. Bei seinem Tod im Jahre 1910 war er ein gefeierter, überaus prominenter Autor. William Faulkner und Ernest Hemingway nannten ihn den 'Vater der amerikanischen Literatur'.

"Life! We laugh and laugh, then cry and cry, then feebler laugh, then die."

"Trenne dich nicht von deinen Illusionen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben !"


Mark Twain


Der 'Mark Twain Circle of America':
https://marktwaincircle.org/
Einige Werke:

Die Arglosen im Ausland, 1869
Die Abenteuer Tom Sawyers, 1876
Prinz und Bettelknabe, 1881
Leben auf dem Mississippi, 1883
Abenteuer und Fahrten des Huckleberry Finn, 1884
Querkopf Wilson, 1894
Die schreckliche deutsche Sprache, 1880
(siehe dazu auch hier unten)
(aus dem Buch: Bummel durch Europa)


Es hat mich tief gerührt, meine Herren, hier so gastfreundlich empfangen zu werden, von Kollegen aus meinem eigenen Berufe, in diesem von meiner eigenen Heimat so weit entferntem Lande. Mein Herz ist voller Dankbarkeit, aber meine Armut an deutschen Worten zwingt mich zu großer Sparsamkeit des Ausdruckes. Entschuldigen Sie, meine Herren, daß ich verlese, was ich Ihnen sagen will. Die deutsche Sprache spreche ich nicht gut, doch haben mehrere Sachverständige mir versichert, daß ich sie schreibe wie ein Engel. Mag sein – ich weiß nicht. Habe bis jetzt keine Bekanntschaften mit Engeln gehabt. Das kommt später – wenn's dem lieben Gott gefällt – es hat keine Eile.Seit langem, meine Herren, habe ich die leidenschaftliche Sehnsucht gehegt, eine Rede auf Deutsch zu halten, aber man hat mir's nie erlauben wollen. Leute, die kein Gefühl für die Kunst hatten, legten mir immer Hindernisse in den Weg und vereitelten meinen Wunsch – zuweilen durch Vorwände, häufig durch Gewalt. Immer sagten diese Leute zu mir: "Schweigen Sie, Euer Hochwohlgeboren! Ruhe, um Gotteswillen! Suche eine andere Art und Weise, dich lästig zu machen."
Im jetzigen Fall, wie gewöhnlich, ist es mir schwierig geworden, mir die Erlaubnis zu verschaffen. Das Komitee bedauerte sehr, aber es konnte mir die Erlaubnis nicht bewilligen wegen eines Gesetzes, das von der Concordia verlangt, sie soll die deutsche Sprache schützen. Du liebe Zeit! Wieso hätte man mir das sagen können – mögen – dürfen – sollen? Ich bin ja der treueste Freund der deutschen Sprache – und nicht nur jetzt, sondern von lange her – ja vor zwanzig Jahren schon. Und nie habe ich das Verlangen gehabt, der edlen Sprache zu schaden, im Gegenteil, nur gewünscht, sie zu verbessern; ich wollte sie bloß reformiren. Es ist der Traum meines Lebens gewesen. Ich habe schon Besuche bei den verschiedenen deutschen Regierungen abgestattet und um Kontrakte gebeten. Ich bin jetzt nach Österreich in demselben Auftrag gekommen. Ich würde nur einige Änderungen anstreben. Ich würde bloß die Sprachmethode – die üppige, weitschweifige Konstruktion – zusammenrücken; die ewige Parenthese unterdrücken, abschaffen, vernichten; die Einführung von mehr als dreizehn Subjekten in einem Satz verbieten; das Zeitwort so weit nach vorne rücken, bis man es ohne Fernrohr entdecken kann. Mit einem Wort, meine Herren, ich möchte Ihre geliebte Sprache vereinfachen, auf dass, meine Herren, wenn Sie sie zum Gebet brauchen, man sie dort oben versteht.
Ich flehe Sie an, von mir sich beraten zu lassen, führen Sie diese erwähnten Reformen aus. Dann werden Sie eine prachtvolle Sprache besitzen und nachher, wenn Sie etwas sagen wollen, werden Sie wenigstens selber verstehen, was Sie gesagt haben. Aber öfters heutzutage, wenn Sie einen meilenlangen Satz von sich gegeben und Sie sich etwas angelehnt haben, um auszuruhen, dann müssen Sie eine rührende Neugierde empfinden, selbst herauszubringen, was Sie eigentlich gesprochen haben. Vor mehreren Tagen hat der Korrespondent einer hiesigen Zeitung einen Satz zustande gebracht, welcher hundertundzwölf Worte enthielt und darin waren sieben Parenthese eingeschachtelt und es wurde das Subjekt siebenmal gewechselt. Denken Sie nur, meine Herren, im Laufe der Reise eines einzigen Satzes muß das arme, verfolgte, ermüdete Subjekt siebenmal umsteigen. Nun, wenn wir die erwähnten Reformen ausführen, wird's nicht mehr so arg sein. Doch noch eins. Ich möchte gern das trennbare Zeitwort auch ein bischen reformieren. Ich möchte niemand tun lassen, was Schiller getan hat: Der hat die ganze Geschichte des dreißigjährigen Krieges zwischen die zwei Glieder eines trennbaren Zeitwortes eingezwängt. Das hat sogar Deutschland selbst empört; und man hat Schiller die Erlaubnis verweigert, die Geschichte des hundertjährigen Krieges zu verfassen – Gott sei's gedankt. Nachdem alle diese Reformen festgestellt sein werden, wird die deutsche Sprache die edelste und die schönste auf der Welt sein. Da Ihnen jetzt, meine Herren, der Charakter meiner Mission bekannt ist, bitte ich Sie, so freundlich zu sein und mir Ihre wertvolle Hilfe zu schenken. Herr Pötzl hat das Publikum glauben machen wollen, daß ich nach Wien gekommen bin, um die Brücken zu verstopfen und den Verkehr zu hindern, während ich Beobachtungen sammle und aufzeichne. Lassen Sie sich aber nicht von ihm anführen. Meine häufige Anwesenheit auf den Brücken hat einen ganz unschuldigen Grund. Dort gibt's den nötigen Raum. Dort kann man einen edlen, langen, deutschen Satz ausdehnen, die Brückengeländer entlang, und seinen ganzen Inhalt mit einem Blick übersehen. Auf das eine Ende des Geländers klebe ich das erste Glied eines trennbaren Zeitwortes und das Schlußglied klebe ich an's andere Ende – dann breite ich den Leib des Satzes dazwischen aus. Gewöhnlich sind für meinen Zweck die Brücken der Stadt lang genug: wenn ich aber Pötzl's Schriften studieren will, fahre ich hinaus und benutze die herrliche, unendliche Reichsbrücke. Aber das ist eine Verleumdung. Pötzl schreibt das schönste Deutsch. Vielleicht nicht so biegsam wie das meinige, aber in manchen Kleinigkeiten viel besser. Entschuldigen Sie diese Schmeicheleien. Die sind wohl verdient. Nun bringe ich meine Rede um – nein – ich wollte sagen, ich bringe sie zum Schluss. Ich bin ein Fremder – aber hier, unter Ihnen, habe ich es ganz vergessen. Und so, wieder, und noch wieder – biete ich Ihnen meinen herzlichsten Dank!

- Eine Rede von Mark Twain am 21.11.1897 im Presseclub in Wien -



Und wenn Sie den folgenden Text (geschrieben 1898 in Wien) ohne Schmunzeln lesen können, dann ist Ihnen wirklich nicht mehr zu helfen !

A Dresden paper, 'Der Weidmann', which thinks that there are kangaroos (Beutelratten) in South Africa, says the Hottentots (Hottentotten) put them in cages (Kotter) provided with covers (Lattengitter) to protect them from the rain. The cages are therefore called Lattengitterwetterkotter, and the imprisoned kangaroo Lattengitterwetterkotterbeutelratten. One day an assassin (Attentäter) was arrested who had killed a Hottentot woman (Hottentottenmutter), the mother of two stupid and stuttering children (Stottertrottel). This woman, in the German language is entitled Hottentottenstottertrottelmutter, and her assassin takes the name Hottentottenstottermutterattentäter. The murderer was confined in a kangaroo's cage (Beutelrattenlattengitterwetterkotter) whence a few days later he escaped, but fortunately he was recaptured by a Hottentot, who presented himself at the mayor's office with beaming face. "I have captured the Beutelratte," said he. "Which one?" said the mayor; "we have several." "The Attentäterlattengitterwetterkotterbeutelratte." "Which Attentäter are you talking about?" "About the Hottentottenstottertrottelmutterattentäter." "Then why don't you say at once the Hottentottenstottertrottelmutterattentäterlattengitterwetterkotterbeutelratte?"